2. August 2017

Ein schwieriges Thema, das immer noch totgeschwiegen wird

Myrthe van der Meer: Tiefdruckgebiet. Wie ich meine Depression in den Griff bekam

Myrthe führt ein perfektes Leben: Sie ist jung, gut aussehend, liebt ihren Job und führt eine glückliche Beziehung. Dass sie fast täglich an den Tod denkt, tut sie als unbedeutende Marotte ab – bis zu dem Tag, an dem alles über ihr zusammenbricht und sie sich in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik wiederfindet. Frei von Pathos und doch bewegend und mit überraschend viel Humor holt Myrthe van der Meer das Thema Depression aus der Tabuzone: Sie beschreibt, wie sie sich allmählich in der Welt der Therapeuten, Pillen und Mitpatienten zurechtfindet, was sie in der Klinik über sich selbst erfährt und wie sie nach fünf Monaten hinter fast immer verschlossenen Türen den Schritt zurück ins Leben wagt ... Ein mitreißendes, ehrliches und aufklärendes Buch zu einer Krankheit, über die noch immer viel zu oft geschwiegen wird. (Klappentext)

Der nachfolgende Text kann Spoiler enthalten.

Ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich dieses Buch rezensieren möchte oder nicht. Da es sich nicht um ein Rezensionsexemplar handelt, kann ich mir das ja aussuchen.
Vorweg möchte ich betonen, dass es sich bei dem Buch um keine Anleitung zum Umgang mit Depressionen handelt. Der Inhalt wird einem Betroffenen vermutlich nicht helfen, seine inneren Dämonen besser zu bekämpfen. Zumindest bei mir war das so. Es soll wohl ein Tatsachenbericht sein.

Und hier kommen wir zu dem ersten Punkt, der mir aufgefallen ist und mich ein wenig unruhig macht. Denn ich bin mir nicht sicher, ob die Beschreibung ihres Leidens wirklich so den Tatsachen entspricht, oder ob sie die Ursachen für ihre Depression nicht auch verfremdet hat. Somit ist das Buch für mich kein Tatsachenbericht mehr, er ist Fiktion. Ich finde das ein wenig irreführend und das enttäuscht mich. Warum ich so fühle? Im Buch hat sie zwei Brüder und eine Schwester, im Dankeswort erwähnt sie nur zwei Schwestern. Außerdem lobt man seine Eltern dort nicht in den Himmel, wenn sie im Buch Teil des Problems waren.

Verfremdung macht bei diesem Thema durchaus Sinn, schließlich möchte keiner, dass so intime Dinge über ihn Preis gegeben werden. Aber dann sollte das Buch auch nicht als Tatsachenbericht angepriesen werden.

Über den Inhalt zu urteilen ist schwer. Jemand, der mit Depression und Psychiatrien noch nie etwas zu tun gehabt hat, kann sich vermutlich nicht vorstellen, wie das ist. Dieses Buch bietet einen Einblick, der sehr subjektiv ist. An einigen Stellen musste ich allerdings der Autorin zustimmen, wie z. B. wenn es um die vermeintliche „Entscheidungsfreiheit“ des Patienten geht. So etwas existiert nämlich nicht. Entscheidet man sich gegen ein Medikament oder eine Behandlung, wird man gleich als „hoffnungsloser Fall“ abgestempelt und bekommt im schlimmsten Fall überhaupt keine Hilfe mehr. Hier spreche ich aus persönlicher Erfahrung.

Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten und war im Nu ausgelesen. Teilweise schwingt auch ein feiner Humor mit, der vermutlich doch ziemlich schwarz ist, aber es ist einer der vielen Wege um mit seiner Depression um zugehen.

Trotz des schwierigen und dunklen Themas liest sich das Buch doch sehr gut und flüssig. Es hat mich auf jeden Fall gut unterhalten.

Bewertung: ★★★★

Infos zum Buch:

Heyne, 2015
Roman, 383 Seiten
Taschenbuch 9,99 €
E-Book 8,99 €
ISBN: 9783453603233

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